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So duftet Weihnachten

Saisonal beliebten Weihnachtsgewürze

So duftet Weihnachten
24.12.2022

Weihnachtsgewürze verströmen eine würzige Wärme und duften verführerisch nach Lebkuchen, Spekulatius und Glühwein. „Wenn sich die Küche in der Vorweihnachtszeit in eine Backstube verwandelt, dann geben die aromatischen Spezereien aus aller Welt unserem selbst gebackenen Adventsund Weihnachtsgebäck das gewisse Etwas, den typisch weihnachtlichen Geschmack", schwärmt Museumsführerin Christine Eßer-Böhner vom Deutschen Gewürzmuseum in. 

Allein schon der altvertraute Geruch von Zimt, Vanille, Nelke, Kardamom, Anis oder Muskatblüte schenkt positive Emotionen und erinnert an angenehme Erlebnisse der Vergangenheit. „Das heimelige Gefühl von Wärme, Geborgenheit und Vertrautem lässt es uns gutgehen, wir fühlen uns wohl", so Eßer-Böhner.

Zimt: heilsam und würzig

Eines der bekanntesten Weihnachtsgewürze ist der Echte Zimt (Zimtrinde, Cinnamomum aromaticum). Bereits im ersten chinesischen Kräuterbuch des Kaisers Shen Nung (ca. 2700 v.Chr.) wird Zimt erwähnt und zählt damit zu den ältesten Gewürzen. Für die heilende Wirkung und den Geschmack der getrockneten Zimtrinde sind unter anderem ätherische Öle und Gerbstoffe verantwortlich, von denen man sagt, dass sie antibakteriell, krampflösend und schmerzstillend wirken. Im Essen verwendet, soll Zimt hilfreich sein bei Appetitlosigkeit, Übelkeit, Blähungen sowie anderen Störungen im Magen-Darm-Trakt.

Bekannt sind der günstigere Cassia-Zimt und der in Sri Lanka heimische Ceylon-Zimt. Das Aroma des Zimtbaumes geht überwiegend auf das Zimtöl zurück. Cassia-Zimt enthält darüber hinaus einen höheren Gehalt an Cumarin, das in Ceylon-Zimt nur in geringen Mengen vorkommt. Da Cumarin als gesundheitlich bedenklich eingestuft wurde, sollte es nicht in größeren Mengen und über einen längeren Zeitraum verwendet werden. Besonders hoch kann der Gehalt in Zimtsternen und Lebkuchen sein.

Vanille, die Königin der Gewürze

Das Gewürz Vanille entsteht aus den fermentierten Samenkapseln (Schoten") der Vanillepflanze, einer Orchidee. Die Vanilleblüten müssen aufwendig von Hand bestäubt werden. Nach der Ernte beginnt dann der langwierige Prozess der Fermentation, der aus Blanchieren, Trocknen in der Sonne und einer Reifungsphase besteht. Die Schoten und das daraus gewonnene Pulver sind daher vergleichsweise teuer. Als Heilpflanze spielt die Vanille eine untergeordnete Rolle, sie soll allerdings stimmungsaufhellend und beruhigend wirken.

Nelken gegen Zahnschmerzen

Nelken sind die handgepflückten und getrockneten Blütenknospen des bis zu 20 Meter hohen Nelkenbaums. Ihnen werden antiseptische, bakterizide, fungizide (gegen Pilze) und virusstatische (virenhemmende) zugeschrieben. Wirkungen Die ätherischen Öle wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Sie eignen sich daher sehr gut bei entzündlichen Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Auch bei Mundgeruch oder einem seltsamen Geschmack im Mund soll sich das Kauen auf einer Nelke bewährt haben, ebenso wie bei Zahnschmerzen.

Kardamom entfacht das Feuer

Ursprünglich stammt Kardamom aus Indien, wo man ihn auch als „Königin der Gewürze" bezeichnet. Noch heute baut man ihn in Indien und vielen anderen tropischen Ländern an. Römische Eroberer brachten Kardamom vor rund 2000 Jahren nach Europa. Er zählt zu den teuersten Gewürzen der Welt, was daran liegt, dass die Fruchtkapseln per Hand gepflückt werden. Dies ist jedoch nur in einem kurzen Zeitraum möglich nämlich bevor die Kapseln aufspringen und sich die Samen verteilen. Kardamom harmoniert generell sehr gut mit Süßem. Die ätherischen Öle der Kardamomsamen haben eine positive Wirkung auf die Gesundheit. In der ayurvedischen Lehre soll Kardamom das Verdauungsfeuer entfachen.

Anis kann man essen oder trinken

Anis ist eine sehr alte Heil- und Gewürzpflanze. Der Anis stammt ursprünglich aus Asien und den südöstlichen Mittelmeerländern. In unseren Breiten ist er nur in Gärten oder im landwirtschaftlichen Anbau zu finden. Wilde Pflanzen sind sehr selten. Seine süßlich schmeckenden Früchte sind in der Weihnachtsbäckerei und in Schnäpsen (z.B. Ouzo) bekannt. In der Heilkunde hilft Anis bei Husten, Blähungen und bei der Milchbildung.

Muskat, das Gold Ostindiens

Im 16. Jahrhundert war selbst eine kleine Prise Muskatnuss so teuer, dass sie als das „Gold Ostindiens" bezeichnet wurde. Briten, Spanier, Portugiesen und Niederländer bekriegten sich sogar wegen Muskat. Als Heilpflanze wurde sie von Naturvölkern in Asien bei Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden oder Kreislaufstörungen genutzt. Dies entspricht der heutigen Anwendung in der Naturheilkunde, die sie auch bei nervösen körperlichen Beschwerden einsetzt. Zu viel oder gar ganze Muskatnüsse sollte man aber nicht verwenden: In höheren Dosen sind sie giftig.

Ein viel eleganterer Geschmack als die herbere Muskatnuss zeichnet die Macis aus, auch Muskatblüte genannt. Sie schmeckt leicht nach Muskat, Nelke und ein wenig honigartig. Der Begriff „Muskatblüte" ist allerdings irreführend, denn eine Blüte ist Macis nicht, sondern der getrocknete Samenmantel der Muskatnuss.

Frische und Qualität

Die meisten Adventsgewürze können in Pulverform vom Einkauf bis zur Verarbeitung kühl, trocken und unter Luftabschluss gelagert werden. Das übrige Lebkuchenpulver aus dem letzten Jahr aufzubrauchen, ist keine gute Idee. Denn der typische Geschmack von Weihnachtsgebäck gelingt und hält sich am besten, wenn die Gewürze frisch verwendet und von hoher Qualität sind. Generell gilt, dass die adventlichen Gewürze lieber als ganze Samen, Nüsse, Rinden oder Kapseln eingekauft werden sollten. Es ist besser, sie erst kurz vor der Nutzung zu zerkleinern, zerreiben oder zu zerstoßen. So entfalten sie den Großteil ihrer aromatischen Wirkung ganz frisch. Jürgen Scheibe