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Wie „öko“ ist mein Dach?

Die Umweltbilanz von Dachziegeln und Co.

Wie „öko“ ist mein Dach?

FOTO: ADOBE STOCK

16.10.2021

Ob beim Neubau oder bei einer Dachsanierung: Nachhaltigkeit und Umweltschutz spielen eine immer größere Rolle. Bauherren stellt sich die Frage, welches Bedachungsmaterial es sein soll. Betondachsteine? Dachziegeln aus Ton? Vielleicht ein Dach aus Metall oder sogar aus Schiefer? Welche Dachform ein Haus erhält, ist meist im Bebauungsplan festgelegt. Flachdächer erhalten meist eine Kiesauflage und neuerdings auch immer öfter eine gezielte Dachbegrünung. Für Steildächer gibt es eine große Auswahl an Deckmaterialien. Am weitesten verbreitet sind heute die Betondachsteine, gefolgt von Tonziegeln, den Metalldächern und Schiefer. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich auch beim Steildach die Dachbegrünung. Zu den Kriterien für die Dacheindeckung gehören für viele Bauherren die Haltbarkeit, die Kosten und die Optik – aber auch die Umweltverträglichkeit und die Ökobilanz.Die Ökobilanz von Bedachungsmaterialien hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel Rohstoffgewinnung (wo, wie und unter welchen Bedingungen), Verarbeitung (Energieaufwand, Neben- und Abfallprodukte), Verpackung, Transport und Nachhaltigkeit (Lebensdauer, Wiederverwertung).

Dachsteine contra Dachziegeln

Auf Deutschlands Dächern setzen sich Dachsteine aus Beton immer häufiger gegen die traditionellen Dachziegeln aus Ton durch. Untersuchungen haben gezeigt, dass Dachsteine unter dem Gesichtspunkt der gesamten Umweltbilanz in fast allen Punkten besser abschneiden. Die Herstellung von Dachsteinen verbraucht deutlich weniger Energie als die Produktion von Dachziegeln. Der Beton der Dachsteine härtet bereits bei 60 Grad aus, der Ton der Ziegeln wird hingegen bei rund 900 Grad gebrannt. Darüber hinaus besitzen Dachsteine zusätzliche positive Umwelteigenschaften: Verringerung von saurem Regen, Entlastung der Ökosysteme, Reduzierung von Sommersmog, geringes Feinstaubpotenzial und reduzierte atmosphärische Quecksilberemissionen.

Doch auch Dachziegeln haben ihre Vorzüge. Sie bestehen hauptsächlich aus natürlichen Rohstoffen, nämlich Ton. Ton ist ausreichend verfügbar, und die Abbaugebiete werden oft zu Naturschutzgebieten. Daher sind Dachziegeln in der Bereitstellung umweltfreundlicher als Dachsteine aus Beton.

Ob Dachziegel oder Dachstein, beide Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile. Es kommt ganz darauf an, welche Anforderungen gestellt werden. Wenn man sein Haus an einer belebten Hauptstraße baut, ist es sicher von Vorteil, wenn die Dachsteine Umgebungsgeräusche dämpfen. Ist die Dachkonstruktion eher zierlich, könnten die leichteren Dachziegeln die Nase vorne haben.

Die Beliebtheit von Metalldächern steigt

Auch wenn Dacheindeckungen aus Ton, Faserzement oder Beton weit verbreitet sind, werden rostfreie Metalldächer immer beliebter. Diese Dächer lassen sich leicht reinigen, bieten wenig Raum für Grünbildung und können eine mittlere Lebensdauer vorweisen. Bei Metalldächern handelt es sich um einen Sammelbegriff für Bedachungen aus unterschiedlichen Metallen. Gängig sind Dächer aus Kupfer, Zink oder auch Aluminium. Die unterschiedlichen Metalle haben zum Teil sehr unterschiedliche spezifische Eigenschaften.

Metalldächer sind nahezu alterungs- und korrosionsbeständig. Außerdem sind sie relativ leicht. Bei Dachsanierungen muss also ein bestehender Dachstuhl in der Regel nicht verstärkt werden, um eine Eindeckung mit Metall aufbringen zu können. Das wirkt sich ebenfalls positiv auf die Ökobilanz aus. Zudem werden sie aus recycelbaren Materialien hergestellt.

Ein Dach aus Titanzink ist sicher. Der Werkstoff weist eine hohe Korrosionsfestigkeit auf, ist wartungsfrei und dank seiner natürlichen Patina äußerst langlebig. Zudem herrscht unter einem Dach aus Titanzink ein gesundes Raumklima. Dies liegt an der natürlichen Zusammensetzung des Baustoffes aus Zink, Titan und Kupfer. Nahezu 100 Prozent des eingesetzten Bauzinks können recycelt werden. Titanzink ist zudem äußerst flexibel – individuelle Wünsche und Zubehörteile wie zum Beispiel Gauben oder Dachrinnen lassen sich problemlos realisieren.

Blei und Aluminium sind problematisch

Einzig das Bleidach hat eine deutlich negative Ökobilanz, da Blei für Mensch und Natur eine Gefahr bedeutet. Mit dem abfließenden Regenwasser können Bleipartikel in die Umwelt und auch ins Grundwasser gelangen. Allerdings gibt es Bleidächer mit speziellen Versiegelungen oder Lacken, die ein Herauswaschen von Blei verhindern.

Unter Öko- und Umweltaspekten kritisch zu sehen sind auch Aluminiumdächer. Die baulichen Eigenschaften von Aluminium sind hervorragend. Als großes Manko des Leichtmetalls gilt jedoch sein Herstellungsprozess. Dieser wird seit Jahren von Umweltschützern und Aktivisten kritisiert. Die wesentlichen Kritikpunkte sind folgende: Zum einen werden zur Gewinnung von Aluminium in vielen Ländern Ur- und Regenwälder in großen Mengen abgeholzt und Ökosysteme nachhaltig gestört. Zum anderen fällt der Energieaufwand bei der Herstellung negativ ins Gewicht.

Zu den gängigsten natürlichen Bedachungsmaterialien zählen Schiefer und Reet. Beide punkten durch ihre gute Öko- und Umweltbilanz. Beim Schiefer kommt hinzu, dass er eine sehr lange Lebensdauer und einen geringen Wartungsaufwand hat. Daher ist hier die Nachhaltigkeitsehr groß.

100 Prozent Natur: Schiefer

Schiefer besitzt nicht nur eine lange Tradition als Material zur Dacheindeckung, er überzeugt auch durch seine hervorragende Ökobilanz, schließlich ist er ein hundertprozentiges Naturprodukt. Der Schieferstein wird in Bergwerken abgebaut. Hierbei sind keine Bindemittel erforderlich. Auch der Energieaufwand beim Abbau ist sehr gering. Schiefervorkommen gibt es auf fast allen Kontinenten und in den meisten europäischen Ländern, weshalb die Transportwege kurz sind. Zudem sind keine Zwischenschritte bei der Verarbeitung erforderlich, sodass auch hier keine zusätzlichen Transportwege entstehen.

Hinzu kommt die lange Lebensdauer: Ein Schieferdach kann gut 100 Jahre überdauern, oftmals länger. Als Naturstoff ist auch die Entsorgung von Schiefer ökologisch unproblematisch. Zudem lassen sich Schieferschindeln als Schiefersplitt oder Schiefermehl weiter nutzen.

Nachwachsende Dacheindeckung: Reet

Auch wenn Reetdächer heute vor allem mit deutschen Küstenregionen verbunden werden, standen doch die ersten Häuser mit Reetdach in Süddeutschland. Und das bereits in vorchristlicher Zeit. Bei dem Bedachungsmaterial Reet handelt es sich um Schilf, und das wächst nicht nur an Nord- und Ostsee. Als Naturmaterial und nachwachsender Rohstoff hat Reet eine sehr gute Ökobilanz. Da die Nachfrage für deutsche Dächer groß ist, muss das Naturprodukt zumeist aus Österreich, Ungarn, Polen, Rumänien oder der Türkei importiert werden. Der Transport wiederum belastet die Ökobilanz. Die Entsorgung von Reet hingegen ist unproblematisch. Jürgen Scheibe