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Das liebste Glas der Franken

In den fünfziger Jahren trat der Willibecher seinen Siegeszug an

Der fränkische Bierliebhaber liebt seinen Willibecher. Er ist ein wahrer Handschmeichler und für nahezu alle Biersorten geeignet. FOTO: JÜRGEN SCHEIBE

25.04.2022
Brauerei-Gasthof Kundmüller

Altbier, Bockbier, Helles, Dunkles, Export, Lager, Kellerbier… Und die Aufzählung könnte noch munter weitergehen. Rund 5000 bis 6000 verschiedene Biere werden in Deutschland produziert. Da grenzt es fast an Unmöglichkeit, für jede Biersorte das passende Glas im Schrank zu haben. Aber zum Glück muss man das nicht, denn es gibt ein perfektes Glas für jedes Getränk(außer Weißbier, versteht sich): den Willibecher oder auch Willybecher.

Sympathischer Allrounder

Der Willibecher ist nicht nur das beliebteste Bierglas der Franken, sondern der ganzen Biertrinkernation. Und selbst Weinschorlen, ja sogar Softdrinkswie Wasser, Limo, Cola oder Saftschorle schmecken aus ihm ganz ausgezeichnet. Aber was macht den schnörkellosen Allrounder nur so sympathisch? Möglicherweise die Tatsache, dass er als einziges Bierglas einen Vornamen hat, mit dem offenbar viele Menschen etwas Positives verbinden. Der Name Willi ist die Kurz- und Koseform von Wilhelm (althochdeutsch: willio = der Wille, Entschlossenheit; helm = Schutz, Helm). Willi ist also „der willensstarke Beschützer“. Willi ist in Deutschland ein verbreiteter Vorname. Aktuell belegt er in der Rangliste der häufigsten männlichen Babynamen den 184. Platz. Die beste Platzierung erreichte der Name im Jahr 2006 mit Platz 39. Im Zeitraum von 2005 bis 2021 lag der Jungenname durchschnittlich auf dem 138. Platz.

Woher kommt der Name?

Der Willibecher verdankt seinen Namen laut der Legende (und Wikipedia) seinem Erfinder Willy Steinmeier, Mitarbeiter der Ruhrglas GmbH Essen. 1954 hat Steinmeier die schlichte Glasform entworfen, weil man – vor dem Hintergrund der Rationalisierung – in der Nachkriegszeit auf der Suche nach einem Standard-Bierglas war, das zum einen einfach zu produzieren, zum anderen für viele Biersorten geeignetwar.Der Willibecher wurde anschließend von vielen Brauereien in der Bundesrepublik Deutschland als Standard-Bierglas übernommen und ist bis heute das meistproduzierte Bierglasmodell.

Der „Becher“ ist eigentlich ein Glas – mit vielen Vorteilen

Ein Willibecher oder Willybecher gilt seitdem als deutsches Standardglas. Es ist bei 80 Prozent der Höhe etwas breiter als am Boden und am Rand, also doppelkonisch geformt. Das charakteristische Design dieses Kult-Glases sorgt für die Entfaltung der Bieraromen im bauchigen Körper sowie eine optimale Bündelung der Aromen an der konischen Öffnung. Der verstärkte Boden eignet sich ideal zum Anstoßen.

Der Willibecher wird in den Größen 0,2 l, 0,25 l, 0,3 l, 0,4 l und 0,5 l hergestellt. Oftmals befindet sich das Logo einer Brauerei auf seinem Bauch. Der Willibecher findet in der Gastronomie besonders gerne Verwendung, weil er dünnwandig ist und nach dem Bad im Spülbecken rascher auskühlt als Gläser, deren Wände dicker sind.

Bier bleibt länger frisch

Sein Vorteil für alle Trinkenden liegt in der schlanken und hohen Form, in der kohlensäurehaltige Getränke länger frisch bleiben. Da der Willibecher sich nach unten wieder verjüngt, hat auch der letzte Rest im Glas eine relativ geringe Oberfläche, die wenig Kohlensäure entweichen lässt. Gegenüber Bierschwenkern oder Bierpokalen ist der Willi also absolut im Vorteil.

Kaum auf dem Markt, trat der Willibecher auch in den Medien seinen Siegeszug an. Die legendären Bier-Gemeinschaftswerbungen mit dem Wanderer in der Wüste und dem Slogan „Durst wird durch Bier erst schön“, die Motive mit dem „Arbeiter“sowie der Dame im blauen Badeanzug („kühles Bier“) oder dem blauen Oval („frisches Bier“) gelten heute als Klassiker und werden immer noch gerne als Blechschilder gekauft. Vor dem blauen Hintergrund leuchtet der Willibecher besonders schön und macht Appetit auf ein kühles Blondes. Jürgen Scheibe