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Spannende Mythen und Fakten

Muss ich im Winter im Stau in einem E-Auto frieren? - Interessante Fragen und Antworten rund ums Thema E-Auto

Spannende Mythen und Fakten

FOTO: ANIMAFLORA PICSSTOCK-STOCK.ADOBE.COM

15.05.2023

Über Elektromobilität lässt sich vortrefflich streiten - nicht nur am Stammtisch. Rund um Elektroautos sind viele Mythen im Umlauf über Reichweiten, Kosten und Rohstoffe. Manche stimmen, andere allerdings nicht. Die Zeitschrift "auto motor und sport" hat die gängigsten Mythen und Vorurteile geprüft.

Mit Strom fährt man wesentlich günstiger als mit Sprit: Bisher konnte diese Aussage eindeutig bejaht werden, wie ein Vergleich von ,,auto motor und sport" auf Basis des BMW i4 mit seinem Diesel-Kollegen 430d Gran Coupé beim WLTP-Verbrauch zeigt: Als vor einem Jahr die Kilowattstunde nur 32 Cent kostete, der Diesel 1,56 Euro pro Liter, fuhr der Stromer 100 Kilometer für 5,15 Euro, der Diesel für 8,58 Euro. Das war ein Preisvorteil von 66 Prozent. Jetzt sind die Strompreise deutlich stärker gestiegen als der Dieselpreis, der Preisvorteil ist auf 35 Prozent gesunken - allerdings nur, wenn man zu Hause lädt. Ist man auf öffentliche Schnelllader angewiesen, fahren Stromer deutlich teurer.

Die Akkus halten nicht lange? Die meisten Hersteller geben für die Akkus ihrer Elektroautos eine Garantie von acht Jahren oder 160 000 km. Bis dahin muss der Akku in der Lage sein, je nach Hersteller 70 bis 80 Prozent seines ursprünglichen Energieinhaltes aufzubringen, sonst greift die Garantie. Doch inzwischen zeichnet sich ab, dass Akkus länger halten als erwartet. Darauf deutet eine Studie der TU Eindhoven hin, wonach Akkus einen durchschnittlichen Kapazitätsverlust von 2,5 Prozent über die ersten 25 000 Kilometer, einen Verlust von 2,5 Prozent über die nächsten 75 000 Kilometer und einen Verlust von einem Prozent für jede weiteren 50 000 Kilometer haben. Das Fazit: 500 000 Kilometer sind realistisch.

Ewige Ladezeiten

Das Laden von E-Autos dauert ewig? Wenn man den falschen Ladepunkt erwischt, kann es tatsächlich lange dauern: Um die 77 kWh große Batterie eines Hyundai Ioniq 5 an einer Haushaltssteckdose mit 2,3 kW Leistung zu füllen, sind mehr als 30 Stunden nötig. Anders sieht es am High-Power-Charger mit 300 kW aus: Der liefert so viel Strom, dass die Bordelektronik im Auto die Ladeleistung sogar herunterregelt, um den Akku nicht zu sehr zu beanspruchen. Ein Ioniq 5 schafft es in der Praxis, in 15 Minuten Energie für 250 Kilometer Fahrt nachzuladen und ist damit einer der schnellsten Lader. Ein Opel Corsa-e braucht unter ähnlichen Bedingungen für jeden nachgeladenen Kilometer rund doppelt so lang. Laden dauert also immer noch deutlich länger als Tanken, zwischen den E-Autos sind die Unterschiede jedoch groß.

Frieren im winterlichen Stau?

Auch der Auto Club Europa (ACE) hat auf seiner Homepage häufige Mythen über E-Autos geprüft und die wichtigsten Fakten zusammengetragen. Muss ich im Winter im Stau frieren? Richtig ist: Wenn der Innenraum aufgeheizt wird, kostet das viel Energie. Die Temperatur aufrecht zu erhalten, ist dagegen weniger problematisch. Moderne E-Autos mit Wärmepumpe benötigen etwa 0,5 bis 1 kW, um bei frostigen Außentemperaturen den Innenraum bei 22 Grad zu halten. Theoretisch ließe sich also mit einem 50 kWh-Akku ein Megastau von 50 bis 100 Stunden durchstehen. Bei halbvoller Batterie wäre es immer noch mehr als ein Tag. Anders ausgedrückt: Ein Stau mit Vollsperrung ,,frisst" bei einem modernen E-Auto im Winter rund zwei Prozent Reichweite pro Stunde. Dabei bleibt es innen warm. Um gar nicht erst in die Bredouille zu kommen, empfiehlt der ACE aber, auf längeren Autobahnetappen im Winter etwa 25 Prozent Restreichweite als Puffer einzuplanen.

Hört man Elektroautos als Fußgänger wirklich nicht? Es stimmt, dass Elektromotoren grundsätzlich viel leiser sind als Diesel oder Benziner. Ab einem Tempo von 20 km/h sind die Abrollgeräusche der Reifen allerdings laut genug, um auch ein E-Auto zu hören. Damit Fußgänger, Radfahrer oder andere Verkehrsteilnehmer auch bei niedriger Geschwindigkeit geschützt sind, müssen alle neuen E-Fahrzeuge mit einem akustischen Warnsignal (AVAS) ausgerüstet sein, das heißt, sie müssen bis Tempo 20 ein Geräusch von sich geben.

Elektroautos und Brände

Sind brennende E-Autos ein Sicherheitsrisiko? Zwar sieht es spektakulär aus, wenn Akkus in E-Autos brennen, aber es ist weder gefährlicher noch umweltschädlicher. Ende 2019 haben Schweizer Forscher den Brand eines Elektroautos in einem Tunnel bzw. in einer Tiefgarage nachgestellt. Dabei entstehen zwar andere Schadstoffe als bei einem Verbrenner, diese sind aber nicht gefährlicher. Allerdings wird für das Löschen einer Batterie wesentlich mehr Wasser benötigt.

Drohende Überlastung

Wie sieht es mit dem Stromnetz aus, wenn jeder ein E-Auto fährt? Ganz Deutschland wird nicht von heute auf morgen umsteigen. Hierzulande werden jedes Jahr etwa drei Millionen neue Fahrzeuge zugelassen. Selbst wenn ab heute nur noch E-Autos zugelassen werden dürften, würde es 15 Jahre dauern, bis fast keine Verbrenner mehr fahren. Selbst eine Million E-Autos erhöhen den Strombedarf nur um etwa 0,5 Prozent. Trotzdem: Auf Dauer müssen Energieerzeugung und Bereitstellung angepasst werden: Es braucht intelligente Netze, in denen die Autos auch als Strompuffer bzw. als Zwischenspeicher genutzt werden. lifePR/ACE/ Nina Grötsch