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Elektrisch in die Zukunft

Die Neuausrichtung des Individualverkehrs wird als zentraler Baustein der angestrebten Energiewende entsprechend gefördert

Verlockende Kaufprämien haben den Markt für E-Autos in Deutschland inzwischen merklich auf Touren gebracht. FOTO: MAURICE TRICATELEE/ADOBE STOCK

17.05.2022

Elektroauto: Entlastung oder Belästigung? Die Diskussion um Abschied von Verbrennungsmotoren und alternative Antriebsart ist von Anfang an emotional und buchstäblich energieüberladen. Dabei liefert ein sachlicher Check einen soliden Überschuss an Argumenten für den Umstieg – auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

Umwelt-Freunde

Mehr Klimaschutz, mehr neue Märkte, weniger Abhängigkeit von fossilen Energieträgern: Die Weiterentwicklung der Elektromobilität und die Neuerfindung des Autos als rollender Computer ist für die Bundesregierung zentrales Thema der Energiewende – und wird als Aufgabe und Zukunft der Automobil- und Zulieferer-Industrie definiert. Wichtigstes Argument: Umwelt vor Schadstoffen schützen, Lebensraum erhalten.

Elektroautos werden als emissionsfrei eingeordnet, weil sie im Gegensatz zu Verbrennern nichts direkt ausstoßen. Fairerweise werden trotzdem CO2-plus Schadstoff-Ausstoß bei Stromproduktion und Herstellung berücksichtigt. Der CO2-Rucksack, den ein E-Fahrzeug primär über die Batterie-Herstellung herumschleppt, wird allerdings ausgeglichen: Laut CO2-Bilanz des ADAC machen lang genutzte Batterieautos das Manko ab Fahrleistungen von 50 000 bis 100 000 Kilometern wieder wett.

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Reichweiten-Maximierung

Auch beim Thema Reichweite tut sich etwas: Weil immer mehr Elektroautos mit Reichweiten von 300 bis 400 Kilometern plus Schnelladeleistungen von bis zu 150 kW auf den Markt kommen und gleichzeitig das Schnellladenetz ausgebaut wird, können auch längere Strecken ins Visier genommen werden.

Kosten-Check

Laut Experten ist Deutschland beim Strom schon jetzt preismäßig weltweit spitze, und die Kosten haben noch Steigerungspotenzial. Grundsätzlich gelte trotzdem: Je höher der Anteil an Ökostrom, desto günstiger die Strompreise. Steigt der Anteil an fossilen Brennstoffen beim Strom, steigt auch dessen Preis. Auch beim Blick auf die Bruttolistenpreise sind Elektroautos zunächst teuer. Werden hier allerdings die gesamten Betriebskosten mit Steuern, Versicherung, Wartung, Energiekosten plus Umweltbonus eingerechnet, fahren E-Autos im Vergleich zu Verbrennern günstig.

Lade-Infrastruktur

In den letzten Jahren wurde staatlicherseits viel Geld in den Aufbau der Lade-Infrastruktur investiert. Inzwischen ist ein ausgebautes Netz aus über 35 000 Normalund 5700 Schnellladestationen installiert – und es wächst weiter. Bis 2030 plant die Bundesregierung, insgesamt eine Million Ladepunkte zur Verfügung gestellt zu haben. Auch die Uralt-Furcht vor Netz-Kollaps ist laut Experten unbegründet. Zehn Millionen Elektroautos würden nach einer Experten-Rechnung ungefähr einen zusätzlichen Strombedarf von 5,6 Prozent oder 30 TWh bedeuten. Mit dem 2020 exportierten Überschuss von 18 TWh hätten rein rechnerisch sechs Millionen E-Autos unter Strom gesetzt werden können.

Batterie-Battle

Klar: Die Antriebs-Batterie ist das mit Abstand teuerste Bauteil eines Elektroautos. Gibt’s einen Defekt nach Ablauf der Garantie, versprechen Hersteller inzwischen allerdings einzelnen Zellmodul-Tausch. Weil aber zeitwertgerechte Reparaturen noch nicht überall angeboten werden können, sind inzwischen Modelle mit Miet-Batterie zu haben. Was die Skepsis rund ums Entsorgen des Herzstücks betrifft: Batterien von E-Autos sind wie andere Gerätschaften oder Farben als Sondermüll definiert.

Laut Batteriegesetz müssen sie von Herstellern oder Batterieverkäufern zurückgenommen und nach Stand der Technik behandelt und verwertet werden. Adäquate Recycling-Verfahren sind ebenfalls machbar und gewinnen bis zu 95 Prozent der relevanten Funktionsmaterialien Kobalt, Nickel und Kupfer zurück.

Beim Thema sozialverträglicher Rohstoffgewinnung setzt der Staat jetzt auf Animation: Um unabhängig von umstrittenen Importen zu werden, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz die industrielle Fertigung von Batteriezellen für Energiespeicher als Schwerpunkt im Energie- und Klimafonds festgelegt.

Förderungs-Perspektiven

Aber auch zum Kauf wird weiter animiert. Die Prämien sind verlängert: Bis Ende 2022 liegen für die Neuanschaffung eines reinen E-Fahrzeuges bis zu 9000 Euro bereit, für Hybride bis zu 5625 Euro. Die finale Förderhöhe hängt vom Nettolistenpreis des Fahrzeugs ab. Welche Autos förderfähig sind, bestimmt das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen (BAFA). Auch beim Strom-Tanken sind Zuschüsse möglich: Das Auto kann inzwischen auch bei diversen Arbeitgebern aufgeladen werden, weil die sogenannte Wallbox-Förderung ebenfalls akut in eine neue Runde geht. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen: Die Treibhausminderungsquote THG für alle: Die CO2-Ersparnis lässt sich seit Anfang 2022 zu Geldmachen – über Vermittlungs-Plattformen, die die jeweilige Ersparnis an Mineralölunternehmen verkaufen. Dieser Verkauf ergibt wiederum einen Pauschalbetrag, der im Schnitt bis zu 350 Euro pro Jahr pro Stromer bedeuten kann.

Steuerspar-Modelle

Schon 2011 beschlossen und 2020 bis 2030 verlängert: E-Autos sind zehn Jahre nach ihrer Erstzulassung steuerfrei. Die Befreiung gilt nicht nur für Neuwagen, sondern auch für gebraucht gekaufte Fahrzeuge. Aber hier muss es wirklich purer Strom sein: Plugin-Modelle und Hybrid-Autos sind davon ausgeschlossen. Annette Gropp
     

Wie viele E-Autos gibt es in Deutschland?

Die Anzahl an zugelassenen Elektroautos lag am 1. Januar 2022 laut Kraftfahrt-Bundesamt bei rund 618 500. Abgebildet werden Pkw mit ausschließlich elektrischer Energiequelle (BEV). Je nach Definition werden auch Plugin- oder Hybrid-Varianten als Elektroautos gezählt, ihr Bestand belief sich am 1. Januar auf etwa 566 000. Damit überschritt die Zahl der elektrisch angetriebenen Pkw im Lauf des Jahres 2021 die Millionenmarke. Quelle: statista.de